Rheinhessen

Immer mehr Deutsche verbringen ihren Urlaub in der heutigen Zeit in der vertrauten Heimat und zwar aus einem guten Grund. Urlaub im Heimatland hat nämlich nicht nur den Vorteil einer kürzeren Anfahrt, sondern das Lernen einer Fremdsprache und die Gewöhnung an eine fremde Kultur fallen ebenfalls weg. Der Hauptgrund, warum immer mehr Deutsche ihre Urlaubszeit auch in Deutschland verbringen, ist allerdings der, dass es hierzulande wirklich sehr schöne Orte gibt, die einen Besuch wert sind.

Dazu zählt unter anderem auch die Region Rheinhessen, die in Rheinland-Pfalz liegt. Allein die Region Rheinhessen beherbergte Ende 2016 zirka 337.381 Einwohner. Werden die Einwohner der Städte Worms und Mainz noch hinzugezählt, dann steigt die Zahl der Einwohner von Rheinhessen auf etwa 633.504 an. Bezüglich der Zugehörigkeit lässt sich anmerken, dass von 1816 bis 1919 die Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen zählte. Anschließend gehörte Rheinhessen zum Volksstaat Hessen und zwar bis ins Jahr 1945. Rheinhessen stellt in geographischer und politischer Hinsicht die Verbindung zwischen Rheinland und Pfalz dar.

Rheinhessen ist vor allem eine Region, zu der sich viele Weinkenner hingezogen fühlen und zwar aus dem Grund, dass Rheinhessen aufgrund von seiner Rebfläche mit über 25.000 Hektar das größte Weinbaugebiet in Deutschland ist. Zudem ist Rheinhessen auch als das „Land der tausend Hügel“ bekannt. Ein Tummelplatz für Winzer und äußerst gute Weine. Wer also eine Weinreise plant, sollte über den Besuch von Rheinhessen nachdenken. Ob ein Besuch in einer der zahlreichen Vinotheken, Weinevents oder Weincafés, Rheinhessen und die dortigen Winzer wissen ihre Besucher zu überzeugen und verwöhnen. Gastfreundschaft wird in der Region Rheinhessen auf jeden Fall sehr ernst genommen.

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Ausgezeichnete Weine und Spezialitäten

Kommen wir noch einmal auf die unzähligen Vinotheken zurück. Hier gilt es auf das besagte Gütesiegel mit dem Schriftzug „Reinhessen AUSGEZEICHNET“ zu achten. Wer sich in einer dieser Vinotheken einfindet, bekommt neben ausgezeichneten Weinsorten auch zahlreiche Infos zu den bestellten Tropfen präsentiert. Auf der ewigen Wein-Bestenliste gastiert die Müller-Thurgau-Rebe, zumindest was die Menge betrifft, unangefochten auf Platz eins. Dicht gefolgt vom Riesling und dem Silvaner, der sich in den vergangenen Jahren auf unzähligen Weinkarten einen festen Platz als regionale Spezialität sichern konnte.

Durch den Schwerpunkt Wein haben sich in Rheinhessen auch die sogenannten Straußwirtschaften etabliert. Wer mit diesem Begriff nichts anfangen kann, rheinhessische Straußwirtschaften haben nichts mit der Tierwelt gemein. Die Bezeichnung hat seinen Ursprung darin, dass mit einem Strauß aus Weinlaub oder auch einem Zweig an der Tür der Wirtschaft signalisiert wird, dass die Gaststätte geöffnet hat.

Bezüglich der rheinhessischen Straußwirtschaften gilt es weitere Punkte zu beachten, denn eine Straußwirtschaft darf pro Jahr nur vier Monate geöffnet sein. Darüber hinaus ist es nur erlaubt, Wein aus eigener Erzeugung an die Gäste auszuschenken. Auch hinsichtlich der Speisekarte einer Straußwirtschaft gibt es Einschränkungen. So darf eine Straußwirtschaft nur kleine und einfache Speisen anbieten, zu denen unter anderem der in Rheinhessen überaus beliebte Spundekäs zählt. Überwiegend wird der Spundekäs in Verbindung mit einer Weinprobe als Dessert oder Zwischenmahlzeit angeboten. Der Spundekäs ist eine Speise, die aus Frischkäse, Paprika, Zwiebeln und diversen Gewürzen besteht.

Wer sich jetzt vielleicht über den Namen wundert, dass Wort Spund beschreibt den Fass-Stopfen eines Weinfasses. Und da der Spundekäs traditionell in der Form eines Fass-Stopfens serviert wird, ist auch die Namensgebung schnell erklärt. Falls Sie beabsichtigen, einen Spundekäs in der heimischen Küche genießen zu wollen, finden Sie unter folgendem Link ein passendes Rezept.

 

Land der tausend Hügel

In Rheinhessen lässt sich aber nicht nur gut speisen und trinken, sondern auch für die ein oder andere Wanderung warten zahlreiche schöne Wanderwege auf die Besucher der Region. Bereits weiter oben wurde erwähnt, dass Rheinhessen auch als „Land der tausend Hügel“ bekannt ist. Diese Bezeichnung stammt daher, dass Rheinhessen sehr viele Hügel bietet, die auf Höhenlagen von bis zu 300 Meter kommen. Die Einheimischen sagen allerdings nicht Hügel, sondern „Hiwwel“.

Wer aktiv in Rheinhessen unterwegs ist, dem sei auch der Radwanderweg ans Herz gelegt, der auf den Namen „Hiwwel-Route“ hört. Diese Route umfasst eine Strecke mit einer Gesamtlänge von stolzen 166 Kilometern. Von dieser Gesamtstrecke sind 152 Kilometer mit Asphalt überzogen und die restlichen 14 Kilometer bestehen aus Schotterwegen mit Wasseranbindung. Die beliebte „Hiwwel-Route“ streift auf den 166 Kilometern nicht nur die Rheinhessische Schweiz, sondern verbindet auch die Städte Mainz, Worms, Bingen am Rhein, Alzey und Ingelheim am Rhein.

Ein kleiner Tipp für alle, die nicht unbedingt an einer Fahrradtour interessiert sind. Hier bietet sich ganz klar die „Hiwweltour Aulheimer Tal“ an. Dabei handelt es sich um einen Wanderweg mit einer Strecke von 13,3 Kilometern und einer geschätzten Wegzeit von 3 Stunden und 45 Minuten. Der höchste Punkt liegt bei 275 Meter und der niedrigste Punkt bei 147 Meter. Besonderheit der „Hiwweltour Aulheimer Tal“ sind jedoch nicht die Höhenmeter, sondern eine Sehenswürdigkeit und zwar der Flonheimer Trullo. Der Flonheimer Trullo ist ein Rundhaus, welches im 18. Jahrhundert entstanden ist. Merkmal des Gebäudes ist das sehenswerte Spitzdach. Schenkt man den hiesigen Geschichten glauben, dann stammt das Rundhaus von alpulischen Gastarbeitern. Heutzutage dienen diese hübschen Häuschen vorwiegend als Orte für kleine Verschnaufpausen oder sie werden von Winzern genutzt, um bestimmte Geräte abzustellen.

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Ahnenforschung in Rheinhessen

Allerdings steht die Region Rheinhessen nicht nur für fröhlichen Weingenuss, schöne Landschafen, Radtouren und kulinarische Spezialitäten, nein, es wird auch noch anderen Hobbies nachgegangen. In diesem Zusammenhang sollte auf keinen Fall die Ahnenforschung/Familienforschung außer Acht gelassen werden. Der Überbegriff heißt „Genealogie“ und stammt aus dem alten Griechenland. Übersetzt auch mit den Worten Familie, Geburt, Abstammung oder auch Sippschaft in Verbindung zu bringen.

Menschen, die sich mit der Ahnenforschung auseinandersetzen, erforschen die Beziehungen der Verwandtschaft, entweder der eigenen oder auch von möglichen Berühmtheiten, um bestenfalls eine Auflistung herzustellen, die alle Vorfahren samt Namen und Grad der Beziehung aufzeigt. Wie man sich sehr gut vorstellen kann, ist die sprichwörtliche Reise in die Vergangenheit und die damit verbundene Forschung nicht ganz einfach, da sich viele Vorfahren nicht mehr ermitteln lassen, da einfach die nötigen Aufzeichnungen und Zusammenhänge fehlen, desto mehr der Ahnenforscher in die Vergangenheit eintaucht.

Auch in diesem Punkt hat das Internet seine guten Seiten, denn durch die Computergenealogie hat die Ahnenforschung vor geraumer Zeit einen richtigen Schub erhalten. Dank der weltweiten Vernetzung können sich Ahnenforscher untereinander nicht nur viel schneller austauschen und zusammenschließen, sondern das Internet ermöglicht auch den Zugriff auf sehr umfangreiche Datenbanken, die zig Millionen Ahnentafeln und Stammbäume archivieren, die bereits erfolgreich erforscht sind. Dadurch hat sich sogar schon ein eigener Standard gebildet, der auf den Namen GEDCOM hört.

Der Standard GEDCOM ermöglicht den einfachen Austausch von sensiblen Forschungsdaten in der Genealogie zwischen diversen Computerprogrammen. Der erste Entwurf von dem Standard GEDCOM mit der Versionsnummer 1.0 erschien im Oktober 1987. Aktuell arbeiten die Ahnenforscher mit der Versionsnummer 5.5.1.

In Rheinhessen sind Genealogen seit mehreren Jahren bestrebt, sich regelmäßig zu treffen, ein sogenannter Stammtisch. Dieser Stammtisch wurde am 15. November 2017 in Alzey gegründet. Verantwortlich für die Gründung zeichnen sich 36 Ahnenforscher aus der Pfalz, dem Raum Darmstadt und Hunsrück sowie Rheinhessen. Das erste richtige Zusammentreffen des Stammtisches fand am 13. Dezember 2017 statt.

Hier sei der Zahnarzt Ralf Wahle zu erwähnen, der neben Richard Fuchs zu den Ansprechpartnern und Moderatoren des Stammtisches zählen. Ralf Wahle beschäftigt sich mittlerweile seit über 45 Jahren mit der Genealogie. Für Wahle ein Hobby mit Suchtpotential, welches weit über die bekannte Stammbaum-Kunde hinausgeht. Ohne Akribie und Hartnäckigkeit bei der Suche sind keine Erfolge zu erzielen. Die Suche von Ralf Wahle führt bis ins Sauerland, wo er ebenfalls Vorfahren von sich entdeckte. In der jüngsten Vergangenheit geht Ralf Wahle mit seiner Frau an Orten spazieren, von denen er ohne seinen Fokus auf die Ahnenforschung und den eigenen Vorfahren gar keine Kenntnis hätte.

Zitat Ralf Wahle:

„Sie brauchen ein Gerippe. Geburt, Taufe, Heirat, Tod. Doch das ist nur eine schnöde Sammlung von Zahlen. Interessant ist, dass Fleisch an das Gerippe zu bringen. Die Genealogie ist reines Hobby, aber eines mit Suchtpotenzial. Genealogie ohne Quellen ist Mythologie.“

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Die Ahnenforschung gilt in Rheinhessen in Bezug auf die Quellensuche als besonders schwierig, da in der Vergangenheit die Konfessionen, Landesgrenzen und Herrscher des Öfteren wechselten. Daher sind die Ahnenforscher auch sehr froh darüber, dass der Zusammenschluss eines Stammtisches geklappt hat. Ralf Wahle würde der Begriff Arbeitsgemeinschaft im Vergleich zu Stammtisch allerdings wesentlich besser gefallen.

Wer ebenfalls Interesse an der Familienforschung hat und aus dem Raum Rheinhessen stammt, darf gerne an dem besagten Genealogie-Stammtisch teilnehmen, denn dieser ist kostenlos und erfordert auch keine Mitgliedschaft in einem bestimmten Verein. Ob Profis, Anfänger oder erfahrene Forscher, alle Interessenten, die der Forschung der eigenen Ahnen ebenfalls Beachtung schenken, sind herzlich willkommen. Weitere Infos zu den anstehenden Treffen finden sich im Eventkalender von GenWiki oder unter dem Reiter Kalender auf PRFK.